Montag, 19. Februar 2007

Von gruenen Ecken und bunten Strassen

Montag, spaet am Abend


Shibuya. Mittag.
Die Sonne steht hoch.
Vor mir die beruehmteste Kreuzung Japans.
Noch steht die Ampel auf Rot. Es knistert in der Luft.
Jeden Augenblick kann es los gehen.
Jeder scheint bereit, sein Ziel mit aller Kraft zu erreichen.
Nur noch Sekunden. Irgendwo hoert man einen Schrei.
Dann ist es soweit. Die Strasse ist freigegeben.
Einer Urgewalt gleich rollen menschliche Wellen aufeinander zu. Aus 3, 4 verschiedenen Richtungen suchen sich Dutzende von Japanern gleichzeitig einen Weg ueber die Strasse. Vorbei am zweiten Herrscher dieser Gegend, der Blechlawine. Die hat gerade Sendepause. Das Ampellicht beginnt zu blinken. Schnell eilen die letzten Fussgaenger auf die andere Seite. Es wird Rot. Dann ist wieder monotones Motorendroehnen zu vernehmen, waehrend sich auf dem Fussweg erneut die Meute sammelt. Bereit fuer die naechste Welle...

Shibuya, das ist eine der Gegenden, die das Bild des modernen Japans im Ausland praegen. Neonwerbung, buntes Glitzern der teuren Einkaufswelt, schicke Cafes, Spass. Ich war heute unterwegs in der Innenstadt Shibuyas, einem Viertel Tokios, und hab mir selbst ein Bild gemacht. Kaisei war beschaeftigt und so war heute meine erste Solotour angesagt. Mit der Bahn hatte alles gut geklappt (ich hab eine Woche gebraucht, aber mitlerweile wuerde ich sagen, dass ich fast ueberall hinkomme, wo ich mag) und so stand ich kurz darauf oberhalb des Bahnhofs an der Statue Hachiko. Hachiko, beruehmter Japanischer Kaiser? Gruender Shibuyas? Hundertwasser Japans? Alles falsch. Hachiko war ein Hund. Ich darf meinen Reisefuehrer zitieren:

Das Tier gehoerte dem Professor Eisaburo Ueno und begleitete seinen Herren allmorgendlich zum Bahnhof Shibuya in Tokio; von dort fuhr der Professor zu seinen Vorlesungen. Jeden Abend holte Hachiko seinen Herrn wieder am Bahnhof ab. Als nun Professor Ueno 1925 starb, lief Hachiko weiterhin jeden Morgen zum Bahnhof und wartete dort bis zum Abend, Tag fuer Tag, elf Jahre lang, bis er selbst an Altersschwaeche starb. Der treue Hund wurde im Grab seines Herrn beigesetzt, und die Behoerden errichteten ihm ein Denkmal auf dem Bahnhofsvorplatz in Shibuya. (Gerhard Dambmann, 2002, Gebrauchsanweisung fuer Japan, Muenchen: Piper)

Schoene Geschichte, oder? Von dort aus ging es in mehrere Richtungen hinein in das geschaeftige Treiben. Von Musiklaeden ueber Edelrestaurants bis hin zu Modeboutiquen findet sich alles, was der ueberwiegend juengeren Bevoelkerung hier Geld entlocken kann. Ich war unter anderem in einer Spielhalle voller Automaten. Nein, ich habe nichts gespielt. Ja, es hat nicht viel gefehlt. ;) Dem geschaeftigen Treiben auf den Strassen zuzusehen hat Spass gemacht und wer Geld hat, wird es hier, gleich der Summe, los.







Irgendwann ist es mir dann ein wenig zu eng geworden (eigentlich mag ich solche dichten Menschenmenge gar nicht; ich finde aber, bis jetzt halte ich mich gut. Meine deutschen Flueche versteht ja auch niemand... ) und so hab ich dem Yoyogi-Park noerdlich der Einkaufsmeile einen Besuch abgestattet. Meine erste Natur seit 9 Tagen! In den grossen Park ist ein Vogelschutzgebiet intregriert, aber nicht allein deshalb ist es dort alles andere als ruhig. In der Nahe der Strasse roehren Autos und Bauarbeiter, im Park kommt aus allen Ecken Musik. Unter erholsamen Spaziergang verstehe ich etwas anderes, weshalb ich mich zu Anfang auch eher geaergert habe. Nachdem ich aber eine freie Bank zum Sitzen gefunden hatte und mein frisch gekauftes, na ja, nennen wir es mal Milchbroetchen verspeiste, besserte sich meine Laune. Trotz aller Geschaeftigkeit der Besucher hatte der Park etwas. Man konnte ueberall Raben beobachten, welche aus dem nahegelegenen Schutzgebiet, aus dem es aus allen Ecken her kraechzte, heruebergeflogen waren. Von einer Kommilitonin hatte ich erfahren, dass diese Raben keine Scheu vor Essensdiebstahl haben, also ass ich mit entsprechendem Misstrauen. Danach nahm ich den restlichen Park unter die Lupe. Und was ich fand, wurde mit jeder Entdeckung unterhaltsamer. Da war der Geigenspieler, der einsam auf einem umgestuerzten Baumstamm sass. Ich hab vom Geigen keine Ahnung, aber ich wuerde trotzdem sagen, dass er ziemlich gut war. Da waren die drei Bongotrommler, die den halben Park beschalten und mit nicht nachlassendem Elan ihre Instrumente bearbeiteten. Hat mir sehr gut gefallen, fuer sowas bin ich zu haben. Da waren Zwei in einer Art traditionellen Gewaendern gekleideten, ebenfalls mit Trommeln unterwegs und dazu noch eine Art Tanz auffuehrend. Da waren die 4 in weissen Kampfsportanzuegen steckenden Gestalten, die dort ihre Uebungen machten. Kurz zuvor hatte ich bereits einen dieser Vertreter in "Zivil" beobachten koennen, hoch konzentriert bei irgendeiner Art von Schlagkobination.








Im Park befindet sich ausserdem noch der Meiji-Schrein, den ich kurz vor dessen abendlicher Schliessung noch schnell mitgenommen habe. Ueber ihn kann ich nicht so viel erzaehlen, ausser dass es einmal ein besuchendwerter kultureller Ort in Tokio ist.


Gestern meinte Kaisei zu mir, dass ich doch dem Professor, bei dem wir am Samstag den Lesezirkel besucht hatten, doch aus eine Nachricht schreiben sollte, in der ich mich fuer die Moeglichkeit der Teilnahme bedanken und meine Wertschaetzung dieses Erlebnisses ausdruecken solle. Hm, wie formuliert man ein Dankschreiben an einen japanischen Professor? Nachdem ich eine Weile selbst daran gewerkelt hatte, liess ich Kaisei noch ein paar Feinheiten korrigieren (letztendlich waren es nur einige wenige Saetze, aber die wollen eben auch erstmal in angemessender Form formuliert werden) und heute morgen kam dann auch schon Antwort. In astreinem Deutsch. Lustige Sache das.

Morgen ist ein Besuch im Zoo von Ueno geplant. Ausserdem habe ich mich noch zum Nationalmuseum breitschlagen lassen. Letzte Chance dieser Einrichtungen, habe ich doch bis jetzt nicht die besten Erfahrungen damit gemacht.
Bis morgen
Thomas,
Rabenpaparazzo

PS: Fuer Soeren:
Du wolltest doch ein Bild von mir, wo ich mich beim Karaoke zum Affen mache. Kein Problem, hier ist es.


Lieder musste ich waehrend des Singens gleichzeitig noch das Foto machen, so dass du mich leider nicht siehst. Shouganai, ne... ;p

Sonntag, 18. Februar 2007

Von scharfen Dingen und duennen Waenden

Sonntag Abend


Was tut man in Japan, wenn man erst 3 Semester Japanisch hatte?

Richtig, man besucht ein Seminar ueber japanische Schwerter, in welchem derart mit Fachtermini rumgeschmissen wird, dass selbst Japaner nicht alles verstehen...
Ich hatte sowieso nicht erwartet, dass ich gross etwas verstehe, aber es war erstaunlich dass mir Kaisei dann hinterher sagte, dass auch er nicht alles verstanden haette.

Aber von vorn: Kaisei scheut sich keiner Muehen, mich bei meinem Forschungsthema zu unterstuetzen. Bereits vor einigen Wochen hatte er uns Plaetze in einem Seminar ueber japanische Schwerter besorgt. Optisch wie ein Vorort von Tokio wirkend und nur mit einer langsamen Bahn zu errreichen, fand das Ganze in einem klassischen japanischen Haus statt - stilecht mit Tatamimatten und Papierwaenden. Ach ja, und in Zentraltokio gelegen. ;)

Der Raum selbst war laenglich und gross genug um die rund 20 Personen im Zimmer aufzunehmen. Links und Rechts standen niedrige Tische und davor lagen flache Sitzkissen. Ganz klassisch eben. Anfangs wurde von den Vortragenden noch ein wenig ueber die Geschichte erzaehlt, doch bald darauf kam man zu Details ueber das Eisen, die Verarbeiteung, die Analysetechniken und aehnlich spezifischen Themen. Zur geschichtlichen Darstellung (die fuer mich wichtiger war als Haertungsgrade) hatte Kaisei freundlicherweise noch parallel uebersetzt, was auch ganz gut funktionierte. Der Rest war dann nur anhand der Skizzen an der Tafel zu verfolgen. Macht aber nichts, ich habe ein paar Schwerter vor die Nase bekommen und einige neue Infos abgestaubt und bin um eine Erfahrung reicher (wer kann schon behaupten, an so etwas teilgenommen zu haben)- das ist ok. Und wir haben die Karte eines Schwertzubehoer-Handwerkers bekommen. Der wird dann die naechsten Tage mal aufgesucht. Banzai.





Mehr Erlebnis gab's heute dann auch schon nicht mehr - es lebe die Muedigkeit. ;)


Hier noch ein paar Bilder von meinem Wohnviertel. Mitten in der 3-Millionen-Stadt. Bei gutem Wetter kann man den Fuji am Horizont sehen - mal schauen, wann eine Fahrt dahin klappt. :)







Morgen ist Kaisei mit Uni-Angelegenheiten beschaeftigt, dass heisst, ich kann irgendwo alleine Tokio unsicher machen. *haendereib*

Bis dahin
Thomas,
Unsicherheitsfaktor

Samstag, 17. Februar 2007

Von indischen Orten und Nachgeeifeltem

Samstag Nacht

Und wieder etwas mehr von der Keio-Uni gesehen. Heut waren wir auf dem Mita-Campus, dort wo Kaisei die meisten seiner Vorlesungen hat. Samstag findet ein woechentlicher Lektuerekreis statt. Und der machte einen recht gemuetlichen Eindruck, waren es doch nur 7 Studenten und 1 Professor. Diese 7 sind alle fortgeschrittene Deutschlernende und dementsprechend anspruchsvoll war ihr Text: Stifters "Bergmilch". Das nicht gerade aktuelle Deutsch kann in Detailfragen auch einen Muttersprachler vor Probleme stellen -umso erstaunlicher wie locker und gleichzeitig professionell die japanischen Studenten an den Text herangegangen sind. Der Professor scheint eh eine Uni-interne Ikone zu sein - seit 60 Jahren Lehrer und in diversen Fremdsprachen bewandert. War sehr interessant, da mal mitzumachen.
Der Eingang zum Mita-Campus


Dann stand heute "Tokio-Tower" auf dem Programmplan. Oder sollte ich besser sagen "Eifelturm"? Nicht dass sich die Konstruktionen aehneln wuerden, sich dementsprechend die Souvenirs dort praesentieren oder im Prospekt extra die Vorzuege der Variante Tokios betont werden... nein nein... Allerdings wirkt der Turm hier durch seine weiter auseinander stehenen Streben kleiner als der in Paris -da kann man nichts machen, ne.
Jedenfalls war die Aussicht von oben wie schon auf den beiden Hochhaeusern klasse.







Dritte Station des Tages: Ein Inder. Samt Restaurant. Und der Jaulmusik. Den Curry nicht zu vergessen. Anlass war eine kleine Willkommensfeier fuer mich von den Organisatoren des Kurzzeitstipendienprogrammes. Gleichzeitig stiessen wir auf die erfolgreiche Einrichung des von nun an regelmaessigen kurzen Austausches Deutschland-Japan an. (Laengere Aufenthalte gibt es schon laenger, aber sie sind in dieser Form neu bei uns und fuer Studenten im Grundstudium natuerlich sehr reizvoll). Ich, als erster Testballon, war reibungslos gelandet -na ja, fast, wie wir wissen.
Das Essen war erstaunlich lecker und die Runde unterhaltsam. Anwesend waren mehrere japanische und Deutsche Dozenten respektive Professoren (fuer alle Japanologen: unter anderem Herr Oberlaender und Frau Keusch), einige hallesche Studenten, Kaisei und meine Wenigkeit.


Beim Inder


Ach ja, vor dem Inder hatten wir noch einen kurzen Abstecher ins Goethe-Institut von Tokio gemacht - Kaisei wollte es mir mal kurz zeigen. Und was sehe ich? Deusche Schilder, deutsche Buecher, ein deutsches Windows an den Rechnern (dass ich mich je ueber Windows freuen wuerde, haette ich auch nicht gedacht...) - war irgendwie seltsam. Und dabei bin ich gerade mal eine Woche hier - kommt mir laenger vor.

Beim Goethe


Und Kauf des Tages: ein denshi jisho, ein kleiner japanischer Uebersetzungscomputer. Der Spass war nicht ganz billig und wird jetzt den naechsten Tagen erst mal ausgiebig getestet -immerhin liegen ja noch diverse Vorbestellungen an.


Bis dann

Thomas,
der Curry hatte

Freitag, 16. Februar 2007

Von Videos und Nagetieren

Freitag, Nacht

Ruhiger Tag heute. Kaisei hatte Treffen mit seinem Studienkreis. Bestehend aus Dozenten und Studenten werden hier Teile der Lehrinhalte fuer den Deutschunterrricht der ersten Semester besprochen. War ganz witzig, da mal dabei zu sein. Das aufgeraeumt wirkende Lehrbuch der Keio wird ergaenzt durch in Eigenproduktion erstellte Videos, die mit einem Augenzwinkern kurze Dialoge auf Deutsch zeigen. Diese Videos werden in digitaler Form angeboten und sind fuer die Nachbreitung zu hause oder unterwegs (iPod, nette Idee) gedacht. Zusaetzlich werden auf einer Seite im Netz weitere spielerische Lerninhalte angeboten. Das war schon ziemlich beendruckend. Dazu wurde auch noch ein Poster entwickelt, um auch in kommenden Semester japanische Studenten fuer die deutsche Sprache zu interessieren. Ich konnte sogar etwas dazu beitragen und einige Satzlisten des Lehrbuches durchgehen, welches gerade ueberarbeitet wird.


Irgendwann gab es dann nichts mehr fuer mich zu tun und ich hab hab mich mit Bus, U-Bahn und Zug alleine auf den langen Rueckweg gemacht. Was sehr gut geklappt hat, und was ich nicht ohne ein bisschen Stolz zu sein sagen moechte. Nach einer Weile verliert sich der Schrecken des riesigen Netzes etwas und mit einem guten Plan, wie ich mittlerweile einen besitze, komme ich, glaub ich, zu den meisten gewuenschten Punkten.
Frueher oder spaeter *hust*
Das hier ist ein Plan des Verkehrsnetzes. Wohlgemerkt ohne die U-Bahn... *Pfeif*

Ach ja: Ich habe eine Maus im Zimmer gefunden!

Das war es schon wieder fuer heute.

Gruss

Thomas,

der mit der Sendung

Donnerstag, 15. Februar 2007

Von hohen Tuermen und irren Kuenstlern

Donnerstag Nacht



Roppongi, so heisst ein Stadtteil Tokios, war heute unser Ziel. Da wir mit einer Freundin Kaiseis verabredet waren, mussten wir gegen 9 aufstehen. Einmal mehr ohne Nahrung trafen wir uns mit ihr am Bahnhof um dann das Neue Staatliche Museum zu besuchen. Nach diesem Besuch gab es einen neuen Spitzenreiter in der Liste der Sachen, die man sich in Tokio sparen kann. Jetzt werden vermutlich alle Kunstliebhaber (allen voran Katherine?) protestierend aufspringen, aber ich kann hier nur aus meiner Perspektive berichten und diese kann mit moderner Kunst wenig anfangen. Das hier auf grosser Ausstellungsflaeche Gebotene ist bei mir auf keinerlei Gegenliebe gestossen.
Es fing harmlos an. Die ersten paar Raeume enthielten Bilder. Expressionistisch-nichtdefinierbarer Stil, na ja, wem es gefaellt... Es folgten einige kleine Skulpturen, zuammengesetzt aus nicht immer definierbaren Dingen. Bis dahin war es uninteressant und langweilig. Ich haette den Ausflug unter harmlos-unwichtig eingestuft, doch das Museum hatte sich mit den ersten Werken nur warmgelaufen; was folgte, war eine Overtuere aus Sinnlosigkeit und Kroteskem. Wenn ihr schon immer mal einen Haufen Sand in der Ecke bewundern wolltet, habt ihr hier die Chance dazu. Fuer die anspruchsvollen unter euch gibt es die Sonderedition dieses Haufens verkleinert vor einem Kilometerstein, den ein alter Kohlkopf ziert. Ihr kommt dieses Jahr nicht recht in Winterstimmung? Dann geht einen Raum weiter, dort koennt ihr eine Schneeschaufel bewundern - baumelt dort an seidenem Faden von der Decke. Lasst euch aber von nicht zu sehr davon in den Bann ziehen, sonst ueberseht ihr womoeglich den Hutstaender daneben. Und hab ich ich schon das einzelne alte Rad erwaehnt? Vielleicht friert ihr auch angesichts der ploetzlichen Wintergefuehle. In diesem Fall wartet etwas weiter eine alte Decke auf euch - mitten im Raum. Passt auf, dass ihr nicht ueber die kuenstlerisch wertvollen Falten stolpert. Ihr habt als Kind eure Agressionen nicht richtig ausleben koennen? In diesem Museum erfahrt ihr, wie Stofftiere ohne Kopf aussehen. Um die Vorstellungskraft nicht allzu sehr zu fordern, haengt der Kopf aber dann gleich daneben. Vielleicht habt ihr nach all dieser Kunst Hunger bekommen? Kein Ding, dieses Museum hat an alles gedacht: wenn ihr lange genug durchhaltet, kommt ihr an einer eingerahmten Scheibe Weissbrot vorbei. Mahlzeit! Frisch gestaerkt solltet ihr nun einen Blick auf die unzaehligen Monitore werfen. Jeder zeigt ein Filmchen und praktischerweise befinden sich vor vielen bequeme Sitzbaenke, damit man seine visuellen Erlebnisse gleich in Albtraeumen verarbeiten kann. Filme der Woche:
Billige Muelldose fliegt in Muelleimer Teil 2 ("Jetzt mit mehr Unrat im Eimer!"),

Die scheppernde Dose am wackligen Brett

Ich weiss, was du letzten Sommer mit deinem Schnuersenkel gemacht hast!

Alte Zeiten schlechte Zeiten: Folge 1- Heute laufe ich ueber den Bauch eines Mannes
und Folge 2 - Jetzt legt der Mann Musik auf!
Und nicht zu vergessen, der Kassenschlager der letzten Monate:
Quarks, die Bruchtomate ("Jetzt in der extralangen Fassung - sehen Sie ungeschnitten, wie die Tomate mit vielen anderen zusammen aus einer Kiste faellt!")

Wenn ihr dann nicht mehr koennt, hier der absolute Geheimtipp in diesem Museum: gleich neben Hutstaender und Schneeschaufel wird ausgestellt: eine Kloschuessel. Die hab ich dann auch gebraucht.
Das Gemeine an diesem Museum: es durften mal wieder keine Photos gemacht werden, so dass sich noch viele Opfer finden werden, die in diesem Machwerk effektiver Platzverschwendung in eine neue Dimension des Schwachsinns eintreten werden - mein Beileid.
Betreten leider nicht verboten: das *hust* Museum



Danach wurden wir in ein kleines chinesisches Restaurant gefuehrt. Eine scharfe Nudelsuppe spaeter dann der Lichtblick des Tages. Bei wieder einmal bestem Wetter fuhren wir auf das Mori-Hochhaus. Und auch wenn der gestrige Blick ueber Tokio schon klasse war: das hier kam noch besser. Von dort oben hat man tatsaechlich zu allen Seiten freien Blick auf Tokio. Man findet sich inmitten in einer giganatischen Stadtwueste wieder, die erst durch den Horizont oder die Berge begrenzt zu sein scheint. Etliche Hochhaeuser wurden vom Sonnenlicht bestens in Szene gesetzt, die breiten Strassen der Stadt zogen sich wie kleine Furchen duch einen Acker und man wird von der schieren Groesse der Stadtgebiete foermlich erschlagen. Unbedingt besuchen!




Und dabei das innenliegende Museum grossraeumig umgehen. Zugegeben, die alten Tonskulpturen aus der Kofun-Periode oder auch dieTuchmalerei aus dem 18. Jahrhundert sind interessant anzuschauen. Aber saemtliche modernen Werke zum Museumsthema "Laecheln" und vorallem die Raeume mit der Aufschrift "Anti-Lachen" sind krotestker Unsinn. Punkt.

Den restlichen Tag haben wir uns in diversen Geschaeften, einem Cafe sowie einem Italiener aufgehalten. Wie schon erwaehnt, findet man an internationalen Restaurants erstaunlich viel. Neben den ueblichen Verdaechtigen wie Chinesen und co. auch mal Ausgefallenes wie das "Deutsche Braustueberl Yokohama" oder auch ein Lokal der Amish.



Die Wohnung wurde gewuenscht, die Wohnung wird geliefert. Sie ist Teil eines grossen Backsteinhauses mit ueber einem Dutzend Wohnungen. Das Ganze wiederum liegt in einem ruhigen Viertel mit doerflichem Charaker, an einem teilweise recht steilen Hang gelegen. Von hier oben hat man einen guten Blick auf einen Teil Yokohamas und bei gutem Wetter auch auf den Fuji. Wenn ich mal daran denke, mache ich ein paar Bilder. Der Haustuer unserer Wohnung folgt ein kleiner Flur, wie auf Bild 1 unten im Hintergrund erkennbar. Davon gehen 2 Zimmer ab, rechts das Bad, links ein Wohnraum. In diesem halten sich Kaiseis Eltern auf. Besonders gross ist er nicht, ebensowenig wie das Bad. Dem Flur folgt gerade hin die Kueche, von deren Eingang zum Flur das zweite Bild geschossen ist. Nicht sichtbar rechts liegt eine kleine Kochecke mit Spuele, der Herd und der Kuehlschrank. Geradehin zu sehen ist links ein weites Schlafzimmer und rechts Kaiseis Raum. Wie ihr auf Bild 3 sehen koennt, ist auch hier nicht viel Platz. An der Einrichtung ist verglichen mit unseren Breitengraden nichts ungewoehnlich, ausser vielleicht, dass es statt richtiger Tueren teilweise nur Falt-und Schiebetueren gibt.
Bild 1



Bild 2


Bild 3


Kaisei nicht zu vergessen:




Morgen geht es zum ersten Mal an Kaiseis Fakultaet. Koennte interessant werden.

Thomas,
Filmkritiker

Mittwoch, 14. Februar 2007

Von verstossenen Muelleimern und gemeinnuetzigen Rolltreppen

Mittwoch Nacht


Heute ging es mitten hinein nach Tokio. Nachdem ich wie jeden Tag wieder zu einer unmenschlichen Zeit (diesmal 11 Uhr) aufgestanden war, ging es fruehstueckslos ins Stadtleben. Erstes Ziel: eine taugliche Nahrungsquelle. Im Lumine-Gebaeude des Bahnhofs Yokohama konnte man auf 2 grossen Etagen verteilt eine halbe Weltkarte durchprobieren. Nachdem Kaiseis Spanier an meinem Veto scheiterte, ging es in ein kleines japanisches Restaurant. Keines von den alten wie vor ein paar Tagen - in Deutschland waere es aeusserlich wahrscheinlich als Cafe durchgegangen. Laut Kaisei koenne man hier besonders Gesundes essen. Die Speisekarte bot nur wenige Moeglichkeiten, also hab ich mich ans Klischee gehalten und Fisch bestellt. Und nein, er war nicht roh. Alles auf einem Tablett serviert stand neben dem Fischteller noch eine kleine Schuessel Reis, ein Schuesselchen Suppe und mehrere Schalen mit Beilagen wie kleinem Gemuese und Tofuvariationen. Intersessanterweise wurde der gebratene Fisch als ganzes Stueck serviert und natuerlich gab es nur Staebchen als Besteck. Wie im Reisefuehrer gelesen und mir von Kaisei nochmal bestaetigt, gilt es in solchen Situationen, mithilfe der Staebchen den Fisch in kleinere Portionen zu teilen. Wie ich an Kaiseis Lob erkennen konnte, ist mir das (ohne eine zweite Hand dazuzunehmen) sehr gut geglueckt. Er meinte, dass es gut waere, dass ich es versucht und geschafft habe den Fisch auf diese Weise zu essen. Viele juengere Japaner wuerden immer haeufiger auf Staebchen verzichten. Na, da hat sich das Ueben doch gelohnt, ne. ;) (ja, ich meine dich, danke dir. :)

Dann kam uns die Kultur vor die Nase. Nachdem wir weiter nach Tokio gefahren waren, fanden wir den Sensoji-Tempel in Asakusa. Oder sollte ich besser sagen "Konsumtempel"? Nach dem prunkvollen Eingangstor folgten mehrere Hundert Meter schnurgerade Touristengeldfallen. Da schaut man nicht schlecht, wenn sich zwar in einiger Entfernung das grosse Tempelgebaeude erhebt, man vorher aber noch an Unmengen von Staenden vorbei muss. Soviel Krimskrams (dieses Wort hat sich Kaisei gleich notiert *g* ) findet man ein zweites Mal auch nicht so schnell wieder. Und von ueberall dufteten die Essens-und Naschstaende um die Wette. Eines der Tempelgebaeude war mit Planen verkleidet und so gab sich der Blick auf das Hauptgebaeude erst frei, nachdem man einmal an allen Buden vorbei gegangen war. Dem Temepl fehlt es sicher nicht an Geld - kann mir keiner erzaehlen, dass die daran nicht mitverdienen, wo schon kein Eintritt erhoben wird. Die Fassade machte einiges her, aber trotz des immer praesenten Weihrauchduftes mochte so recht keine religioes-besinnliche Stimmung aufkomemen -zu ueberlaufen ist das Ganze dort. Darueber hinaus liegt die Anlage inmitten der Stadt, umgeben von Neubaublocks und Buerogebaeuden. Kaisei meinte, dass der Tempel eben eher da war als die Stadt - sozusagen selbst Schuld. *g*





der Sensoji-Tempel inmitten der Stadt


Danach machten wir einen kurzen Abstecher ins Postamt, um Geld zu holen -es reicht tatsaechlich eine normale EC-Karte am Automaten. Dann ging es weiter. Ich den halben Hinweg lang eine leere Flasche mit mir rumgeschleppt. Inklusive des Vergessensfaktors bin ich einfach nicht dazu gekommen, sie irgendwie am Bahnhof loszuwerden. Man findet dort erstaunlich wenige dieser Exemplare (und bei uns liegen sie sozusagen auf der Strasse...) . Haengt laut Kaisei mit den Giftgasanschlaegen vor 12 Jahren zusammen. Aus Sicherheitsgruenden wurden Muelleimer wohl verboten.
Jedenfalls versuchten wir mit Bahn und U-Bahn nach Shinjuku zu kommen. Auch Kaisei hat in diesem Verkehrsnetz manchmal seine Schwierigkeiten und seit gestern verweigerten unsere Bahnkarten die Kooperation mit den Einlassautomaten. Dazu gesellte sich akute Verwirrung aufgrund irgendeines Stationsnamens und so verbrachten wir rund eine Stunde mit dem Versuch mit funktionierender Karte in die richige Bahn zu steigen - zwischendurch uebrigens mit freundlicher Unterstuetzung eines Touristenfuehrerbueros.
Schliesslich - inzwischen war es dunkel geworden und Regen hatte eingesetzt - trafen wir doch noch in Shinjuku ein. Und Shinjuku, das ist Reiseprospekt-Tokio in Reinkultur. Durch die Dunkelheit in Szene gesetzt strahlten uns riesige bunte Reklametafeln und massive Wolkenkratzer an. Und endlich verspruehten Neubauten keinen 70er-Jahre-DDR-Charme mehr sondern machten richtig was her - fuer Prospekte eben. Beeindruckt liess ich mich durch die Strassen fuehren und knipste den Akku meiner Kamera runter. Ziel des Weges war das Rathaus von Tokio. Ein grosses Hochhaus, breit und mit einer Doppelspitze oben. Und das Beste: mit einer freibegehbaren Aussichtslounge in einem der obersten Stockwerke. Dort gab es neben den grossen Fenstern noch ein...nennen wir es Heim fuer herrenlosen Konsumschnickschnack (ja, nennen wir es so) und eine Art Buehne mit Klavier und Saengerin, die sich mit dem Ruecken zum Publikum einen abhampelte, waehrend sich die Kellner der dazugehoerigen Bar einen abfeierten - mangels Kundschaft und vielleicht ob der Sangeskuenste der Dame.
Der Anblick des naechtlichen Tokios jedenfalls war klasse. Ueberall Lichter und Aktivitaet, alles bunt und schick. Definitiv ein Ausflugstipp. Unsere Maegen waren trotz eines vorherigen Abstechers in ein Cafe (ich hatte rote, suesse, zu Brei verarbeitete Bohnen und darin eingelegten Reiskuchen. Das Bohnenzeug sah aus und schmeckte aehnlich wie Schokolade) eher auf der unterforderten Seite und so zeigte mir Kaisei eine seiner Lieblingskneipen. Sie bot Okinawa-typische Speisen und Getranke an und war eher eine art enges Restaurant. Ich habe ein so fettiges Stueck Schweinefleisch gegessen, dass ich durch Teller und Tisch auf den Boden sehen konnte. Wieder war das Ding aus einem Stueck, aber weich genug, dass es einer konzentrierten Staebchenattacke nicht allzu lange etwas entgegensetzen konnte. Hinterher war, Schock fuer alle, die mich kennen, eine Art Pflaumenschnaps noetig, inklusive der Problematik der Einbeinigkeit. Kaisei trank etwas, dass er als Sake "nur viel staerker und aus Okinawa" beschrieb. Den Weg zum Zug und eine ganze Reihe Fotos spaeter ging es wieder Richtung Yokohama. Der Weg war nicht uebermaessig schwierig, aber mit ein bisschen Schauen haette ich mich diesmal wohl schon alleine gefunden.












So, das waren die Muelleimer, aber was hat es nun mit dem zweiten Teil der heutigen Ueberschrift auf sich? So desu neeee. Wenn man Rolltreppe faehrt (und gerade in grossen Kaufhaeusern und Bahnstationen faehrt man staendig,) kann man beobachten, wie sich alle brav auf der linken Seite aufstellen und so eine Gasse rechts freilassen, damit in Eile befindliche Personen ueberholen koennen. Wie ich finde aeussert praktisch und von uns auch schon genutzt.
.
Gruss
Thomas,
der auf der Ueberholspur