Samstag, 24. Februar 2007

Von gehetzten Hyaenen und verpassten Flaggen

Samstag, gerade mal kurz nach 22 Uhr (...*kopfkratz*)


Boese Zungen koennten behaupten, dass zwischen Donnerstag und Samstag ja ein sogenannter Freitag liegt und dass da ein sogenannter Eintrag fehlt.
Nun koennten wiederum die guten Zungen behaupten, dass das doch voellig Rille sei. Vorzugsweise waehrend sie den boesen Zungen gerade eins mit dem Knueppel ueberbraten.


Ich muss sagen: so allmaehlich hab ich alles gesehen was ich sehen wollte und muss eine leichte Besichtigungsfaulheit feststellen. Aber ich werde schon noch ein paar nette Ziele finden und ausserdem ist da noch das ein oder andere Mitbringsel einzufahren.


Heute Vormittag stand zunaechst einmal mehr Kaiseis Lektuerekurs an. Es war gerade 8:45 und ich zu meiner eigenen Verwunderung schon wach. Ich ackerte mich gerade durch die Werbeflut in meinem Postfach, als Kaisei, der mir nur Minuten vorher zum Fruehstueck einen Eierkuchen angekuendigt hatte, fragte, ob ich denn dann in einer Viertelstunde bereit waere loszugehen...
Ja, ich war ein wenig angefressen als ich mich ueberhastet ins Bad schmiss und10 Minuten spaeter in die Kueche sprang um einer Hyaene gleich meine Nahrung runterzuschlingen. Letztendlich kamen wir erst 5 nach um los, verpassten dadurch einen Zug und mussten die letzten 5 Minuten zum Campus rennen um es noch puenktlich zu schaffen (das hatte ich fast schon vermisst...). Dadurch verpasste ich leider eine vor einem der Uni-Gebaeude stattfindende Immatrikulationsfeier-Uebung... tolles Wort. Einige Studenten in feierlich geschmueckter Uni(uni)form versuchten sich an irgendeinem Flaggenprozedere. So schnell hatte ich keinen Fotoapparat zur Hand, und Kaisei war schon wieder 10 Meter weiter. Kann man wohl nichts machen, ne?

Das Seminar selber lief wie beim letzten Mal ab, die Studenten muehten sich erneut redlich, das alte Deutsch in Stifters "Bergmilch" in adaequates Japanisch zu uebersetzen. Ist eine sehr gemuetliche Runde und Herr Iwasaki ein Professor, bei dem man ein gutes Leben zu haben scheint, wenn man entsprechend Leistung bringt.

Danach fuhren wir Richtung Bahnhof Tokio um dort etwas zu essen. Der Anblick dort unterscheidet sich wohltuend von den ueblichen Bahnhofsgebaeuden, denn er stammt vom Anfang des letzten Jahrhunderts und ist ein Stueck europaeische Baukunst. Und laut Kaisei eines der aeltesten Gebaeude dieses Stils in Tokio.



Wir begaben uns dann in ein kleines japanisches Restaurant im 6. Stock eines Hochhauses. Ich nahm, was gut klang - "kakiage". Was sich als kleine, mir knusprigem Mantel gebratene Schrimps und Muschelfleisch auf Reis herausstellte. Dazu die ueblichen kleinen Beilagen + Suppe und man ist um 10 Euro erleichtert und lecker gesaettigt. Einmal mehr muss ich sagen, dass Japaner von meinem Geschmack von gemuetlichen Restaturants etwas abweichen. Was keinesfalls als Kritik aufgefasst werden soll. Aber mir persoenlich ist es in dort in der Regel zu eng. Mich interessiert weder der Geruch des Essens vom Nachbartisch noch der Kommentar des Essers dazu. Und eine offen einsehbare Kueche wuerde ich eigentlich nur in einem echten Sushirestaurant schaetzen. Allerdings schafft die japanische Kueche auch etwas, dass bei meinem etwas... oehm... eigenen Geschmack erstaunlich ist: bis auf Mizo-Suppe fand ich bis jetzt alles mir vorgesetzte japanische Essen lecker. Gute Kueche, weiter so, Jungs...

Die restliche Zeit verbrachten wir einige Stationen weiter am Queens Square in Yokohama, einem grossen Geschaefts -und Restaurantkomplex, wie es sie hier wie Sand am Meer zu geben scheint.

Gestern Abend ist noch das Foto unten entstanden; das ist der Blick aus "meinem" Zimmer, wenn kein Vorhang zugezogen waere.




Morgen werden wir nach aktuellem Stand Katherine und ihre Partnerin in Yokohama treffen.
Plaene vorber.... Erfahrungsaustausch betreiben. *hust*


Bis dann

Thomas,
der mit der Erfahrung

Donnerstag, 22. Februar 2007

Von feindlichen Uebernahmen und billigem Kaese

Donnerstag, spaet genug


So, langsam koennen wir Tokios Schluesselposten besetzen und dann...
WAS!? Wir sind schon auf Sendung?! Ups...

Aehm ja, seit gestern ist Katherine in Tokio und mit jetzt 2 Hallensern...hehe... man wird ja wohl noch planen duerfen... *hust*

Auch sie hat natuerlich einen Blog, wer die Adresse noch nicht hat: http://torikoninatta.livejournal.com/

Ansonsten habe ich heute Ginza durchstoebert. Feinste Modeschuppen, beruehmte Kaufhaeuser, schicke Fassaden. Allerdings bin ich den "echten" Sehenswuerdigkeiten dort aus dem Weg gegangen. Lediglich den "Sony Showroom" hab ich mir mal angesehen. Eine Art Dauerwerbeaustellung ueber Sonys neueste Produkte. Na ja, bei Media Markt Peissen bekommt man das gleiche geboten, wenn auch ohne bequeme Sessel.




Eigentlich hatte ich ein bestimmtes Buchgeschaeft gesucht. Von Kaisei, meinem unersetzlichen Reisefueher, weiss ich, dass es die Scheibenwelt bis nach Japan geschafft hat. Grund genug also, einige Sucherei auf sich zu nehmen. Die war auch noetig, denn das mysterioese Geschaeft liess nicht nicht finden. Wie der Zufall so will, hab ich bei der Suche aber einen anderen Laden gefunden. Der hatte zwar keinen Pratchett, aber dafuer eine gesonderte Abteilung fuer christliche Buecher. Zu sehen waren deutsche Bibeln, Luthers Tischreden auf Japanisch oder auch "365 Bibelgeschichten fuer Kinder". Faszinierend. Weiss nicht, ob es soetwas oefters gibt, Kaisei hat jedenfalls darueber gestaunt. In Japan sind Christen eher selten zu treffen (1-2 Millionen, war es nicht so?). dafuer habe ich immerhin schon zwei Kirchen gesehen. Optisch anders als eine typisch europaeische, aber hierzulande anders genug, um unverwechselbar zu sein. Was die Scheibenwelt anbelangt: ich will so ein Buch! :)




Kirche in Kamakura


Was den Kaese anbelangt: trotz Kaiseis Geringschaetzung wegen der wenig gesunden Ernaehrung, hab ich heute einmal mehr McDonalds aufgesucht (fuer die Japanlogen: Hamburger zaehlt man mit -ko ;). Eigentlich voellig ueberteuert, der BigMac kostet umgerechnet rund 4 Euro, gibt es die bei uns bekannte 1 Euro-Aktion auch hier. Allerdings schon fuer 100 Yen. Bei einem aktuellem Kurs von bis zu 1:150 kein uebles Angebot, wie ich fand und zuschlug. Ich meine, dass sowohl BigMac als auch der Cheeseburger ("Chisu baagaa") geringfuegig anders schmecken, aber trotzdem typisch nach McDonalds. Was es hier uebrigens wie Sand am Meer gibt- ich dachte damals, in Paris gaebe es viele, aber ich wage zu behaupten, dass die Zahl im Grossraum Tokio dreistellig wird. Mahlz... ach ja, Kaisei kann McDonalds nicht ausstehen... shouganai, ne? Mahlzeit. :)


Gruss

Thomas,
der mit den 4 Elefanten unter sich

Mittwoch, 21. Februar 2007

Von Tieren und Technik - Teil 2

Mittwoch, Nacht
Heute war... nun... nichts.
Wir waren zu Hause und haben blau gemacht, sozusagen.
So denn, reden wir ueber...


Natur....Die enormen Haeuserwuesten hier weisen trotz aller (Achtung, Brueller-Wortspiel) Stadtlichkeit doch immer wieder erstaunlich viel Gruen auf. Zoo und Museum gestern lagen in einer groesseren Gruenanlage, der Yoyogi-Park kuerzlich war eine willkommene Abwechslung fuer mich und schaut man in die Reisefuehrer, entdeckt man etliche weitere Parks und Gaerten. Ich denke, da werde ich, solange ich noch hier bin, ein oder zwei mitnehmen.
Ironie: der Zoo selber gestern lag, wie ueberraschend, mitten im Stadtgebiet und war ausserdem zweigeteilt, verbunden durch einen Fussgaengerueberweg ueber eine Strasse hinweg. Ich fuer meinen Teil mag lieber gemuetlichere Zoos (ja, ich verweise gerne auf Halle ;) aber nichtsdestotrotz ist der in Ueno bedenkenlos zu empfehlen (wenn ihr gerade mal in der Naehe seid... *duck*).






Tiere... die Gegend hier scheint in der Tat ein Rabenproblem zu haben. Gestern an den Teichen im Zoo musste man erstmal sichergehen, dass dort nicht vielleicht das Rabengehege liegt, so viele sassen da. Sogar Muelltonnen, die sich zu frueh morgendlicher Stunde lediglich zur falschen Zeit am falschen Ort aufhielten, sollen wohl schon konterrevolutionaeren Umsturzversuchen zum Opfer gefallen sein.






Wasser... etwa die Haelfte allen von mir gekosteten Wassers hier schmeckt nach Chlor. Keine Ahnung, wie sie das machen, aber die Einwohner scheint es nur bedingt zu stoeren. Jedenfalls habe ich von meiner Gastfamilie keinerlei Hinweise diesbezueglich gehoert und auch der Chinese neulich im Restaurant schien allen Gaesten unbekuemmert die gleiche chemische Bruehe anzudrehen. Vielleicht bin ich da auch einfach nur zu empfindlich (ich HASSE Chlor), aber normal ist das nicht. Zumindest weiss ich, dass man als Privatperson teure Wasserreiniger kaufen kann (wie immer sowas dann aussehen oder funktionieren soll), was zeigt, dass ich mir zumindest nicht alles einbilde.

Muell... Tipp fuer alle, die nach Tokio fahren: immer brav eine Tuete fuer Abfaelle mitschleppen, denn die Muelleimer wurden offenbar schon alle von der Rabenmafia verschleppt. Das Fehlen auf Bahnhoefen hab ich ja schon erwaehnt, aber auch andernorts wird man nur selten fuendig.

Parkplaetze... wer denkt, in deutschen Grossstaedten waere es schwierig welche zu finden, der hat es hier noch nicht probiert. Tokio wurde nicht fuer Autos gebaut, jedenfalls fuer keine, die auch ab und zu mal geparkt werden sollen. Es ist einfach kein Platz dafuer. Hier bekommt nur der ein Auto, der auch nachweisen kann, dass er einen eigenen Parkplatz sein eigen nennt. Aber der Japaner weiss sich zu helfen: vollautomatische Parkhaeuser. Auto in kleinen Raum mit Plattform fahren, Auto auf Plattform stellen, austeigen, zusehen, wie Auto nach oben steigt, Parkhaus verlassen, maechtig auf den Putz hauen, wiederkommen, Nummer nennen, warten bis Auto wieder vor einem steht, bezahlen, losfahren. Viel kleiner als ein Parkhaus aber mit der gleichen Funktion. Weiss nicht, ob es soetwas auch in Deutschlad gibt - hab jedenfalls noch nichts derartiges gesehen.

Essen... gestern sass ich mit Kaisei zum Mittagessen in einem Restaurant neben dem Bahnhof Ueno. Optisch hat es nicht viel hergemacht (hatte was von Autobahnraststaette), aber Japaner scheinen da eh einen zumindest von meinen Vorlieben abweichenden Geschmack zu besitzen. Ich sagte, die japanischen Speisen betrachtend, dass das hier ja nicht sehr japanisch scheint - optisch und die Speisekarte betreffend. Er meinte allerdings, dass er gerade die Mischung verschiedener Kuechen und Stile in einem Restaurant als besonders japanisch empfinde. Das finde ich interessant.


Gruss
Thomas,
dem am Abend mal nicht die Fuesse wehtun

Dienstag, 20. Februar 2007

Von Tieren und Technik - Teil 1

Nur ganz kurz, denn Viel zu spaet


Museen, Museen, da war doch was... ach richtig, ich wollte so schnell in keines mehr hinein. Heute war ich dann doch und zwar im Naturwissenschaftlichen Museum Tokio. Endlich mal was Vernuenftiges. ;)

Die biologische Abteilung protzte mit etlichen Tiermodellen und Skelleten (u.a.hing ein Walskellet von der Decke), die Physikalische mit allerhand Spielereien (Flaschenzug zum Selberhochziehen, Optische Taeuschungen) und die Abteilung Ingenieurskunst und Technik mit einem Abriss wichtiger japanischer Errungenschaften der letzten 150 Jahre mit vielen originalgetreu nachgebauten Modellen.






Dann stand der Zoo in Ueno auf dem Programm. Auch wenn mir der hallesche besser gefaellt, war es ganz nett.





Letzte Station heute eine Prise Akihabara, dem Technikmekka Tokios. Was man hier nicht an Spielen, Filmen und allen moeglichen und unmoeglichen Geraeten findet... na ja, siehe Beispiel Wiener Flughafen.

Morgen mehr.

Nacht, muede. ;)

Thomas,
...*schnarch*

Montag, 19. Februar 2007

Von gruenen Ecken und bunten Strassen

Montag, spaet am Abend


Shibuya. Mittag.
Die Sonne steht hoch.
Vor mir die beruehmteste Kreuzung Japans.
Noch steht die Ampel auf Rot. Es knistert in der Luft.
Jeden Augenblick kann es los gehen.
Jeder scheint bereit, sein Ziel mit aller Kraft zu erreichen.
Nur noch Sekunden. Irgendwo hoert man einen Schrei.
Dann ist es soweit. Die Strasse ist freigegeben.
Einer Urgewalt gleich rollen menschliche Wellen aufeinander zu. Aus 3, 4 verschiedenen Richtungen suchen sich Dutzende von Japanern gleichzeitig einen Weg ueber die Strasse. Vorbei am zweiten Herrscher dieser Gegend, der Blechlawine. Die hat gerade Sendepause. Das Ampellicht beginnt zu blinken. Schnell eilen die letzten Fussgaenger auf die andere Seite. Es wird Rot. Dann ist wieder monotones Motorendroehnen zu vernehmen, waehrend sich auf dem Fussweg erneut die Meute sammelt. Bereit fuer die naechste Welle...

Shibuya, das ist eine der Gegenden, die das Bild des modernen Japans im Ausland praegen. Neonwerbung, buntes Glitzern der teuren Einkaufswelt, schicke Cafes, Spass. Ich war heute unterwegs in der Innenstadt Shibuyas, einem Viertel Tokios, und hab mir selbst ein Bild gemacht. Kaisei war beschaeftigt und so war heute meine erste Solotour angesagt. Mit der Bahn hatte alles gut geklappt (ich hab eine Woche gebraucht, aber mitlerweile wuerde ich sagen, dass ich fast ueberall hinkomme, wo ich mag) und so stand ich kurz darauf oberhalb des Bahnhofs an der Statue Hachiko. Hachiko, beruehmter Japanischer Kaiser? Gruender Shibuyas? Hundertwasser Japans? Alles falsch. Hachiko war ein Hund. Ich darf meinen Reisefuehrer zitieren:

Das Tier gehoerte dem Professor Eisaburo Ueno und begleitete seinen Herren allmorgendlich zum Bahnhof Shibuya in Tokio; von dort fuhr der Professor zu seinen Vorlesungen. Jeden Abend holte Hachiko seinen Herrn wieder am Bahnhof ab. Als nun Professor Ueno 1925 starb, lief Hachiko weiterhin jeden Morgen zum Bahnhof und wartete dort bis zum Abend, Tag fuer Tag, elf Jahre lang, bis er selbst an Altersschwaeche starb. Der treue Hund wurde im Grab seines Herrn beigesetzt, und die Behoerden errichteten ihm ein Denkmal auf dem Bahnhofsvorplatz in Shibuya. (Gerhard Dambmann, 2002, Gebrauchsanweisung fuer Japan, Muenchen: Piper)

Schoene Geschichte, oder? Von dort aus ging es in mehrere Richtungen hinein in das geschaeftige Treiben. Von Musiklaeden ueber Edelrestaurants bis hin zu Modeboutiquen findet sich alles, was der ueberwiegend juengeren Bevoelkerung hier Geld entlocken kann. Ich war unter anderem in einer Spielhalle voller Automaten. Nein, ich habe nichts gespielt. Ja, es hat nicht viel gefehlt. ;) Dem geschaeftigen Treiben auf den Strassen zuzusehen hat Spass gemacht und wer Geld hat, wird es hier, gleich der Summe, los.







Irgendwann ist es mir dann ein wenig zu eng geworden (eigentlich mag ich solche dichten Menschenmenge gar nicht; ich finde aber, bis jetzt halte ich mich gut. Meine deutschen Flueche versteht ja auch niemand... ) und so hab ich dem Yoyogi-Park noerdlich der Einkaufsmeile einen Besuch abgestattet. Meine erste Natur seit 9 Tagen! In den grossen Park ist ein Vogelschutzgebiet intregriert, aber nicht allein deshalb ist es dort alles andere als ruhig. In der Nahe der Strasse roehren Autos und Bauarbeiter, im Park kommt aus allen Ecken Musik. Unter erholsamen Spaziergang verstehe ich etwas anderes, weshalb ich mich zu Anfang auch eher geaergert habe. Nachdem ich aber eine freie Bank zum Sitzen gefunden hatte und mein frisch gekauftes, na ja, nennen wir es mal Milchbroetchen verspeiste, besserte sich meine Laune. Trotz aller Geschaeftigkeit der Besucher hatte der Park etwas. Man konnte ueberall Raben beobachten, welche aus dem nahegelegenen Schutzgebiet, aus dem es aus allen Ecken her kraechzte, heruebergeflogen waren. Von einer Kommilitonin hatte ich erfahren, dass diese Raben keine Scheu vor Essensdiebstahl haben, also ass ich mit entsprechendem Misstrauen. Danach nahm ich den restlichen Park unter die Lupe. Und was ich fand, wurde mit jeder Entdeckung unterhaltsamer. Da war der Geigenspieler, der einsam auf einem umgestuerzten Baumstamm sass. Ich hab vom Geigen keine Ahnung, aber ich wuerde trotzdem sagen, dass er ziemlich gut war. Da waren die drei Bongotrommler, die den halben Park beschalten und mit nicht nachlassendem Elan ihre Instrumente bearbeiteten. Hat mir sehr gut gefallen, fuer sowas bin ich zu haben. Da waren Zwei in einer Art traditionellen Gewaendern gekleideten, ebenfalls mit Trommeln unterwegs und dazu noch eine Art Tanz auffuehrend. Da waren die 4 in weissen Kampfsportanzuegen steckenden Gestalten, die dort ihre Uebungen machten. Kurz zuvor hatte ich bereits einen dieser Vertreter in "Zivil" beobachten koennen, hoch konzentriert bei irgendeiner Art von Schlagkobination.








Im Park befindet sich ausserdem noch der Meiji-Schrein, den ich kurz vor dessen abendlicher Schliessung noch schnell mitgenommen habe. Ueber ihn kann ich nicht so viel erzaehlen, ausser dass es einmal ein besuchendwerter kultureller Ort in Tokio ist.


Gestern meinte Kaisei zu mir, dass ich doch dem Professor, bei dem wir am Samstag den Lesezirkel besucht hatten, doch aus eine Nachricht schreiben sollte, in der ich mich fuer die Moeglichkeit der Teilnahme bedanken und meine Wertschaetzung dieses Erlebnisses ausdruecken solle. Hm, wie formuliert man ein Dankschreiben an einen japanischen Professor? Nachdem ich eine Weile selbst daran gewerkelt hatte, liess ich Kaisei noch ein paar Feinheiten korrigieren (letztendlich waren es nur einige wenige Saetze, aber die wollen eben auch erstmal in angemessender Form formuliert werden) und heute morgen kam dann auch schon Antwort. In astreinem Deutsch. Lustige Sache das.

Morgen ist ein Besuch im Zoo von Ueno geplant. Ausserdem habe ich mich noch zum Nationalmuseum breitschlagen lassen. Letzte Chance dieser Einrichtungen, habe ich doch bis jetzt nicht die besten Erfahrungen damit gemacht.
Bis morgen
Thomas,
Rabenpaparazzo

PS: Fuer Soeren:
Du wolltest doch ein Bild von mir, wo ich mich beim Karaoke zum Affen mache. Kein Problem, hier ist es.


Lieder musste ich waehrend des Singens gleichzeitig noch das Foto machen, so dass du mich leider nicht siehst. Shouganai, ne... ;p

Sonntag, 18. Februar 2007

Von scharfen Dingen und duennen Waenden

Sonntag Abend


Was tut man in Japan, wenn man erst 3 Semester Japanisch hatte?

Richtig, man besucht ein Seminar ueber japanische Schwerter, in welchem derart mit Fachtermini rumgeschmissen wird, dass selbst Japaner nicht alles verstehen...
Ich hatte sowieso nicht erwartet, dass ich gross etwas verstehe, aber es war erstaunlich dass mir Kaisei dann hinterher sagte, dass auch er nicht alles verstanden haette.

Aber von vorn: Kaisei scheut sich keiner Muehen, mich bei meinem Forschungsthema zu unterstuetzen. Bereits vor einigen Wochen hatte er uns Plaetze in einem Seminar ueber japanische Schwerter besorgt. Optisch wie ein Vorort von Tokio wirkend und nur mit einer langsamen Bahn zu errreichen, fand das Ganze in einem klassischen japanischen Haus statt - stilecht mit Tatamimatten und Papierwaenden. Ach ja, und in Zentraltokio gelegen. ;)

Der Raum selbst war laenglich und gross genug um die rund 20 Personen im Zimmer aufzunehmen. Links und Rechts standen niedrige Tische und davor lagen flache Sitzkissen. Ganz klassisch eben. Anfangs wurde von den Vortragenden noch ein wenig ueber die Geschichte erzaehlt, doch bald darauf kam man zu Details ueber das Eisen, die Verarbeiteung, die Analysetechniken und aehnlich spezifischen Themen. Zur geschichtlichen Darstellung (die fuer mich wichtiger war als Haertungsgrade) hatte Kaisei freundlicherweise noch parallel uebersetzt, was auch ganz gut funktionierte. Der Rest war dann nur anhand der Skizzen an der Tafel zu verfolgen. Macht aber nichts, ich habe ein paar Schwerter vor die Nase bekommen und einige neue Infos abgestaubt und bin um eine Erfahrung reicher (wer kann schon behaupten, an so etwas teilgenommen zu haben)- das ist ok. Und wir haben die Karte eines Schwertzubehoer-Handwerkers bekommen. Der wird dann die naechsten Tage mal aufgesucht. Banzai.





Mehr Erlebnis gab's heute dann auch schon nicht mehr - es lebe die Muedigkeit. ;)


Hier noch ein paar Bilder von meinem Wohnviertel. Mitten in der 3-Millionen-Stadt. Bei gutem Wetter kann man den Fuji am Horizont sehen - mal schauen, wann eine Fahrt dahin klappt. :)







Morgen ist Kaisei mit Uni-Angelegenheiten beschaeftigt, dass heisst, ich kann irgendwo alleine Tokio unsicher machen. *haendereib*

Bis dahin
Thomas,
Unsicherheitsfaktor

Samstag, 17. Februar 2007

Von indischen Orten und Nachgeeifeltem

Samstag Nacht

Und wieder etwas mehr von der Keio-Uni gesehen. Heut waren wir auf dem Mita-Campus, dort wo Kaisei die meisten seiner Vorlesungen hat. Samstag findet ein woechentlicher Lektuerekreis statt. Und der machte einen recht gemuetlichen Eindruck, waren es doch nur 7 Studenten und 1 Professor. Diese 7 sind alle fortgeschrittene Deutschlernende und dementsprechend anspruchsvoll war ihr Text: Stifters "Bergmilch". Das nicht gerade aktuelle Deutsch kann in Detailfragen auch einen Muttersprachler vor Probleme stellen -umso erstaunlicher wie locker und gleichzeitig professionell die japanischen Studenten an den Text herangegangen sind. Der Professor scheint eh eine Uni-interne Ikone zu sein - seit 60 Jahren Lehrer und in diversen Fremdsprachen bewandert. War sehr interessant, da mal mitzumachen.
Der Eingang zum Mita-Campus


Dann stand heute "Tokio-Tower" auf dem Programmplan. Oder sollte ich besser sagen "Eifelturm"? Nicht dass sich die Konstruktionen aehneln wuerden, sich dementsprechend die Souvenirs dort praesentieren oder im Prospekt extra die Vorzuege der Variante Tokios betont werden... nein nein... Allerdings wirkt der Turm hier durch seine weiter auseinander stehenen Streben kleiner als der in Paris -da kann man nichts machen, ne.
Jedenfalls war die Aussicht von oben wie schon auf den beiden Hochhaeusern klasse.







Dritte Station des Tages: Ein Inder. Samt Restaurant. Und der Jaulmusik. Den Curry nicht zu vergessen. Anlass war eine kleine Willkommensfeier fuer mich von den Organisatoren des Kurzzeitstipendienprogrammes. Gleichzeitig stiessen wir auf die erfolgreiche Einrichung des von nun an regelmaessigen kurzen Austausches Deutschland-Japan an. (Laengere Aufenthalte gibt es schon laenger, aber sie sind in dieser Form neu bei uns und fuer Studenten im Grundstudium natuerlich sehr reizvoll). Ich, als erster Testballon, war reibungslos gelandet -na ja, fast, wie wir wissen.
Das Essen war erstaunlich lecker und die Runde unterhaltsam. Anwesend waren mehrere japanische und Deutsche Dozenten respektive Professoren (fuer alle Japanologen: unter anderem Herr Oberlaender und Frau Keusch), einige hallesche Studenten, Kaisei und meine Wenigkeit.


Beim Inder


Ach ja, vor dem Inder hatten wir noch einen kurzen Abstecher ins Goethe-Institut von Tokio gemacht - Kaisei wollte es mir mal kurz zeigen. Und was sehe ich? Deusche Schilder, deutsche Buecher, ein deutsches Windows an den Rechnern (dass ich mich je ueber Windows freuen wuerde, haette ich auch nicht gedacht...) - war irgendwie seltsam. Und dabei bin ich gerade mal eine Woche hier - kommt mir laenger vor.

Beim Goethe


Und Kauf des Tages: ein denshi jisho, ein kleiner japanischer Uebersetzungscomputer. Der Spass war nicht ganz billig und wird jetzt den naechsten Tagen erst mal ausgiebig getestet -immerhin liegen ja noch diverse Vorbestellungen an.


Bis dann

Thomas,
der Curry hatte